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"Zuerst Risikomanagement, dann Absicherung"

Ob betriebliche Altersvorsorge oder Absicherung von Unternehmensrisiken – die Produktvielfalt in der Versicherungsbranche nimmt zu. Die Kunden verlieren da schnell die Marktübersicht. Bernd Dedert, Vorstand Ausschließlichkeitsorganisationen der Zurich Gruppe Deutschland in Frankfurt, zu den Angeboten speziell für kleine und mittlere Unternehmen.

Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds, Unterstützungskasse, Pensionszusage – was ist für die betriebliche Altersvorsorge optimal?

Unser Schwerpunkt liegt auf der Direktversicherung. Kein anderer Durchführungsweg ist bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern so bekannt und akzeptiert und darüber hinaus für Arbeitgeber verwaltungsarm. Unsere Kunden können zwischen renditeorientierten fondsgebundenen Versicherungen oder klassischen Rentenversicherungen wählen und dabei auch günstige Kollektivtarife nutzen. Die Hinterbliebenen- und Berufsunfähigkeitsabsicherung kann eingeschlossen werden.

Obwohl die steuerliche Förderung der Direktversicherungsbeiträge der Höhe nach begrenzt ist, reicht sie für den Aufbau einer angemessenen Altersvorsorge der meisten Arbeitnehmer aus. Besserverdiener sollten zusätzlich über die rückgedeckte Unterstützungskasse vorsorgen, weil es in diesem Durchführungsweg faktisch keine Begrenzung der steuerlich geförderten Höchstbeiträge gibt und nur so eine hinreichende Altersversorgung erreicht werden kann. Für Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH eignet sich daher eher der Abschluss einer Pensionszusage mit Rückdeckung an.

Welchen Weg der Altersversorgung empfehlen Sie Unternehmern von kleinen oder mittelständischen Betrieben?

Viele Unternehmer finden meist nicht die Zeit, sich mit der oftmals komplexen Materie der betrieblichen Altersversorgung umfassend vertraut zu machen. Hier ist es wichtig, dass der Versicherungspartner kompetent ist und mit ausgereiften Konzepten überzeugt. In vielen Fällen bieten wir auch kleinen und mittelständischen Unternehmen die Direktversicherung wegen der genannten Vorteile an. Aus finanziellen Gründen fällt die Entscheidung meist für die Entgeltumwandlung oder eine Mischfinanzierung. Branchen- oder zielgruppenabhängig können spezielle, auf die individuellen Bedürfnisse unserer Kunden ausgerichtete Lösungen angeboten werden.

Arbeitnehmer können einen Teil ihres Gehalts in die Altersvorsorge durch Umwandlung einbringen. Begünstigt diese Maßnahme die betriebliche Altersvorsorge in den Unternehmen?

Seit Einführung des Rechtsanspruches auf Entgeltumwandlung ist bei mittelständischen Unternehmen der Anteil der Mitarbeiter, die eine durch Entgeltumwandlung finanzierte Altersversorgung abgeschlossen haben, deutlich gestiegen. Heute dürfte deutlich mehr Geschäft in die Entgeltumwandlung fließen als in die firmenfinanzierte Versorgung. Allerdings: In Kleinunternehmen mit bis zu neun Arbeitnehmern gibt es für rund 75 Prozent der Mitarbeiter immer noch keine betriebliche Altersversorgung. Gerade bei diesen Unternehmen besteht aus unserer Sicht noch ein großer Nachholbedarf. Wir weisen unsere Kunden und ebenso unsere Vertriebspartner immer wieder auf die verstärkte Aufklärungspflicht des Arbeitgebers hin, da er sich ansonsten gegenüber seinen Arbeitnehmern schadenersatzpflichtig machen kann.

Für alle Unternehmensrisiken scheint es heute eine Versicherung zu geben. Sie bieten sogar eine Vertrauensschadenversicherung an.

Risiken sind unvorhersehbare Bedrohungen der Existenz des Unternehmens. Kernelemente eines aktiven Risikomanagements sind Risikovermeidung, Risikominimierung und Risikoübertragung. Auch wenn man nicht für alle dieser Risiken eine Versicherung abschließen kann, existieren doch eine Vielzahl unterschiedlichster Versicherungslösungen, die als Teil des Risikomanagements von Unternehmen eingesetzt werden. Eine besondere Versicherungslösung der Zurich ist die Vertrauensschadenversicherung. Hierbei wird das Unternehmen vor Vermögensschäden aus unerlaubten Handlungen, zum Beispiel Betrug oder Unterschlagung, geschützt, die von Betriebsangehörigen oder sonstigen Vertrauenspersonen des Unternehmens begangen werden.

Kann es sein, dass es insgesamt mehr und speziellere Versicherungen für Handel, Dienstleistung und Produktion, für Gewerbetreibende und Freiberufler gibt?

Der Trend in Richtung branchenspezifische Versicherungsprodukte wird anhalten. Unternehmen sind in Interessenverbänden organisiert. Hierdurch erhöhen sie ihre Nachfragemacht. Die Interessenverbände erarbeiten gemeinsam mit den Versicherungsunternehmen spezielle Lösungen für ihre Mitglieder. Nach umfassender Analyse der Branche werden für eine große Anzahl gleichartiger Betriebe die Versicherungslösungen konzipiert. Die weitgehende Homogenität der Zielgruppe ist dabei Voraussetzung für das Entstehen eines Branchenkonzeptes.

Alles ist schon recht unübersichtlich. Da gibt es zum Beispiel eine Maschinenversicherung, differenziert nach "fahrbar" und "stationär", mit oder ohne Zusatzversicherung, mit oder ohne Abdeckung von Schadennebenkosten …

Die Maschinenversicherung ist angelegt als "Allgefahrendeckung" mit exakt benannten Ausschlusstatbeständen. Da die zu versichernden Maschinen, ob fahrbar oder stationär, wegen ihrer breit gefächerten Einsatzbereiche unterschiedlichsten Risiken und Gefahren ausgesetzt sind, aber risikogerechten Versicherungsschutz benötigen, ist in den wenigsten Fällen eine pauschale und zu allgemein gehaltene Versicherungsform sinnvoll. Die notwendigen und benötigten Leistungen aus einer Maschinenversicherung müssen im Gespräch mit dem Versicherungsnehmer anhand einer gründlichen Risikoanalyse herausgefunden werden.

Im Vergleich zur Einzelversicherung ist die Gruppen-Unfallversicherung, die für Betriebsinhaber, mitarbeitende Ehefrau und Mitarbeiter gilt, recht günstig, doch die Nachfrage ist verhalten. Warum?

Das Unternehmen schließt für Rechnung seiner Mitarbeiter eine Unfallversicherung ab. Dies bedeutet: Prämienzahler ist das Unternehmen, Empfänger der Versicherungsleistung im Schadenfall aber der Mitarbeiter. Für das Unternehmen ist also die Prämienzahlung zuerst ein Kostenfaktor. Arbeitsmarktlage und wirtschaftliche Situation der Unternehmen beeinflussen die Bereitschaft der Unternehmen, diese Zusatzkosten aufzubringen – auch wenn sie mit dieser zusätzlichen Sozialleistung die Mitarbeiter enger an das Unternehmen binden könnten. Eine von der Zurich entwickelte Variante ist die Gruppenunfallversicherung für eigene Rechnung des Unternehmens. Die Versicherungsleistung bleibt dabei beim Unternehmen. Ein interessante Variante, um der sinkenden Nachfrage nach Gruppenunfallversicherungen zu begegnen.

Ein Mitarbeiter verursacht einen Schaden, eine Maschine fällt aus, eine Lieferung verzögert sich, oben drauf passiert ein Unfall mit Personen- und Vermögensschaden. Wie kann sich ein Unternehmer gegen solche Risiken schützen?

Im Falle eines von einem Mitarbeiter verursachten Maschinenschadens steht ein Unternehmer vor mehreren Problemen: Einerseits geht es darum, den eingetretenen Sachschaden an der Maschine schnell, technisch einwandfrei und kosteneffizient zu beheben, um andererseits den entstandenen Produktionsverlust so gering wie möglich zu halten. Im Rahmen einer Maschinenversicherung erhält der Unternehmer durch den Versicherer und dessen Schadeningenieur Unterstützung bei der Feststellung des Schadens dem Grunde und der Höhe nach. Dadurch ergibt sich für den Versicherungsnehmer die Möglichkeit, die Reparatur an der Maschine kurzfristig in Auftrag zu geben. Im Falle einer angeschlossenen Maschinen-Betriebsunterbrechungsversicherung werden die über den Sachschaden hinausgehenden Kosten für fortlaufende Kosten und entgangenen Gewinn im Rahmen des Vertrages ersetzt.

Wäre das ein Fall für eine Multi-Risk-Absicherung, mit nur einem Vertrag möglichst viele Risiken eines Unternehmens abdecken?

Für alle Beteiligten, Versicherer, Vermittler und Versicherungsnehmer, haben Multi-Risk-Produkte vielerlei Vorteile. Die Zurich bietet mit Firmenambitio ein modernes Leistungspaket zur Absicherung der betrieblichen Risiken an. Zielgruppe dieses Produktes ist der gewerbliche Mittelstand. Gerade in dieser Zielgruppe ist für den Inhaber oder Geschäftsführer die Beschäftigung mit der eigenen Risikovorsorge häufig ein lästiges und aufwändiges Übel.

Viele einzelne Versicherungsverträge mit unterschiedlichen Versicherungsscheinnummern, mit Prämienfälligkeiten zu verschiedenen Zeitpunkten, kaum durchschaubare Selbstbeteiligungen, verschiedene Ansprechpartner, viele nicht aufeinander abgestimmte Versicherungsbedingungen und eine aufwändige Verwaltung verursachen Unübersichtlichkeit und Mühe. Firmenambitio als Multi-Risk-Produkt versichert daher alle existenzbedrohenden Risiken in einem einzigen Vertrag. So erhält das Unternehmen einen transparenten und verwaltungsarmen Versicherungsschutz. Die Vorteile dieses Versicherungsproduktes liegen auf der Hand. Daher läuft dieses Geschäft bei uns auf Hochtouren, die Nachfrage ist groß.

Das Gespräch führte Gerd Zimmermann

aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt"



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