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Kreditanpassung erforderlich

Die Finanzkrise zwingt Entscheider immer häufiger, die Details der bisherigen Kreditvergabe ihrer Hausbank zu überdenken und gegebenenfalls, gemeinsam mit dem Bankpartner, neu zu strukturieren.

Während der langjährigen Geschäftsverbindung zu seiner Hausbank konnte Sebastian E. stets mit deren finanzieller Unterstützung rechnen. Sowohl bei Überziehungen auch oberhalb der vereinbarten Höhe des Kontokorrentkredites auf dem Geschäftskonto als auch bei betrieblichen Darlehen gab es kaum erwähnenswerte Probleme. Die vergangenen Jahre waren für den Inhaber eines mittelständischen Betriebs allerdings auch von mehr oder weniger regelmäßigem Wachstum geprägt, und das sowohl bei Umsatz als auch beim Ertrag. Die Zins- und Tilgungsbelastung seiner Kreditkonten von zwischenzeitlich fast 50.000 Euro jährlich fielen E. daher nicht sonderlich schwer.

Mittlerweile sieht die Situation aber anders aus: Sein Steuerberater rechnet E. vor, dass er vor vier Jahren an Zinsen "nur" 20.000 Euro zahlen musste, während die heutige Zinsbelastung bei knapp 40.000 Euro liegt. Dies liegt vor allem am teuren Kontokorrentkredit sowie am erhöhten Bedarf diverser Darlehen, die E. noch in wirtschaftlich guten Zeiten zur Erweiterung seines Betriebsgebäudes abgeschlossen hatte. Bei gleichzeitigen Umsatz- und Ertragsrückgängen besteht nun die Gefahr eines Liquiditätsproblems, das selbst E. nicht mehr übersehen kann.

Vor diesem Hintergrund hat er sich nun endlich einmal die Zeit genommen, über die einzelnen Gesichtspunkte dieser Entwicklung ausführlich nachzudenken. Dabei sieht er neben eigenen Versäumnissen auch Fehler bei seiner Hausbank, die ihn wie erwähnt finanziell zwar unterstützte, darüber hinaus aber kaum in Erscheinung trat. Im Nachhinein hätte er sich vor allem eine gewisse Unterstützung bei der betriebswirtschaftlichen Beratung gewünscht. Darüber hinaus gab es auch keinerlei Anregungen etwa zu Umschuldungen oder zu sonstigen Dienstleistungen. Warnende Hinweise über die zunehmende finanzielle Gesamtbelastung erhielt E. ebenfalls nicht.

Da bei E. die Selbstkritik aber überwiegt, hat er sich nun dazu entschlossen, mit dem für ihn seit Jahren zuständigen Bankmitarbeiter ein Gespräch zu führen und eine Neuordnung seiner Kredite herbeizuführen. Das gilt sowohl für den Kontokorrentkredit als auch für die Darlehen. Von Vorteil ist für E., dass zwei seiner insgesamt drei Darlehen innerhalb der nächsten Monate ohnehin verlängert werden müssen und eine Umschuldung zu verbesserten Konditionen daher problemlos möglich sein sollte. Das dritte Darlehen läuft zwar noch ein Jahr, auf Grund der relativ geringen Zins- und Tilgungsbelastung von rund 800 Euro im Monat macht sich E. hier aber keine großen Sorgen. Wichtiger sind ihm die anderen Darlehen und der Kontokorrentkredit, für den er derzeit 12 Prozent Zinsen pro Jahr zahlt. Nach Rücksprache mit seinem Steuerberater hat E. diese Planung vorab seiner Bank mit der Bitte zugeleitet, diese zu prüfen und entsprechend zu beurteilen. Im erwähnten Gespräch sollen dann die Details beredet werden.

Die ersten bankseitigen Signale auf seine Vorschläge liegen E. mittlerweile vor. Während er mit dem Angebot zu den zu verlängernden Darlehen einverstanden ist – dies bringt E. bei gleichbleibender Höhe der Tilgungsraten eine Kostenersparnis von fast 1.000 Euro im Monat –, hat er bei einem anderen Punkt dagegen Probleme. Seine Bank ist offenbar nur bereit, ihm bei den Darlehen im Zinssatz entgegenzukommen, wenn er seinen Kontokorrentkredit gleichzeitig von bisher 50.000 Euro auf zukünftig 10.000 Euro reduziert. Die Differenz von 40.000 Euro soll dann ebenfalls in einem Darlehen weitergeführt werden. Die Gesamtbelastung würde sich dann natürlich verringern, selbst wenn die Tilgungsraten erhöht würden, um die Entschuldung schneller voranzutreiben als bisher.

Dieses Angebot kann sich zweifellos sehen lassen, auch wenn E. durch die Reduzierung des Kontokorrentkredites sein Zahlungsverhalten gemeinsam mit seinen Geschäftspartnern neu strukturieren muss. Während die Bank auch weiterhin in E. einen verlässlichen Geschäftspartner hat, zeigt sich auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, dass Bankinstitute durchaus ihrer Verantwortung gerecht werden und durch derart konstruktives Verhalten einen eventuellen Wertberichtigungs- oder gar Abschreibungsbedarf bei Krediten durch verantwortungsbewusstes Handeln gar nicht erst entstehen lassen.

Checkliste: Was Sie unternehmen sollten

  • Unternehmer sollten möglichst frühzeitig das Gespräch mit ihrer Bank suchen, wenn der Kontokorrentkredit auf dem Geschäftskonto aus dem Ruder zu laufen droht. Die Umschuldung in ein mittelfristiges Darlehen ist hier meist eine vernünftige Lösung.

  • Soweit möglich, sollte die Höhe der diesbezüglichen Tilgungsrate vertretbar vereinbart werden, um eine möglichst schnelle Darlehensrückzahlung zu ermöglichen.

  • Je nach Liquiditätslage können auch bereits bestehende Kreditverbindlichkeiten auf die jeweilige Tilgungshöhe hin überprüft werden. Möglicherweise sind auch hier Anpassungen machbar und sinnvoll.

  • Da auch Banken Hilfe in Fragen der Unternehmensberatung anbieten, kann sich ein entsprechendes Orientierungsgespräch zu diesem Thema lohnen. Ob vielleicht doch externe Beratungen, sofern sie überhaupt erforderlich sind, oder bankinterne Lösungen mehr Erfolg versprechen, kann in einem solchen Gespräch zumindest grundsätzlich geklärt werden.

Autor: Michael Vetter, Beitrag aus Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt



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