Warum die neuen Bankenregeln ein Umdenken bei der Beschaffung langfristigen Kapitals erfordern, zeigen zwei Fallbeispiele.
Das Eigenkapital erlebt eine Renaissance: Die geplanten neuen internationalen Bankaufsichtsregelungen, kurz "Basel III", könnten die Beziehungen der Kreditinstitute zu ihren Geschäftskunden deutlich verändern. So ist die Kreditwirtschaft gefordert, ihr Geschäft mit mehr Eigenkapital zu unterlegen. Die Banken werden diese Anforderung an ihre Geschäftskunden weitergeben. Mehr Eigenkapital bei den Banken bedeutet in vielen Fällen auch: mehr Eigenkapital bei den Unternehmen.
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"Basel III" wird noch andere Neuerungen bringen. Erwartet wird, dass sich der Trend zu variablen Verzinsungen und zu Krediten mit kürzeren Laufzeiten künftig deutlich verstärkt. Für die Banken bringt das mehr Aufwand und höhere Kosten mit sich, die sie an ihre Geschäftskunden weitergeben werden. Kurzfristige Kredite dürften einen ständigen Bedarf an Refinanzierungen nach sich ziehen, und mit laufenden Zinsanpassungen wird die Zahl der Kreditausfälle steigen. Das verteuert die Fremdfinanzierung. Absehbar ist auch, dass Unternehmen eine Beschneidung ihres Handlungsspielraums hinnehmen müssen. Transparenzanforderungen und Mitbestimmungswünsche der Banken dürften sich weiterhin verschärfen. In vielen Ländern Europas sind solche Rahmenbedingungen längst üblich. Der Bundesverband der Deutschen Industrie warnt deshalb bereits: Der klassische Investitionskredit mit einer Laufzeit von 5 bis 15 Jahren könnte auch hierzulande zum Auslaufmodell werden.
Von 2013 an werden die neuen Regeln schrittweise in Kraft treten. Bis dahin besteht für Unternehmen die Chance, sich auf die neuen Zeiten einzustellen. Noch können sie Investitionen langfristig finanzieren und sich Kredite mit adäquat langer Laufzeit sichern. Fit für Basel III werden Unternehmen außerdem, wenn sie ihre Finanzierungsquellen diversifizieren und die Bonität verbessern. Schnelles Wachstum sollten sie nutzen, um Gewinne zu thesaurieren oder ihre Eigenkapitalquote auszubauen. Als Alternative lohnt auch ein Blick auf Eigenkapitalähnliche Mittel. Generell sollte die Eigenkapitalquote ein Drittel des Gesamtkapitals übersteigen. Auch hier müssen sich die deutschen Unternehmen an europäische Anforderungen anpassen. In anderen Ländern erreicht die Quote zum Teil sogar 50 Prozent.
Eigenkapitalähnliche Mittel
Empfehlenswert ist, die betriebliche Kapitalbeschaffung flexibel zu gestalten. Ein Kapitalbedarf von 2,5 Millionen bis 20 Millionen Euro lässt sich häufig von einem Eigenkapital-Investor decken. Dieser wird entweder Mezzaninekapital bereitstellen oder eine Minderheitsbeteiligung anbieten. Unternehmen mit hohem Cashflow bieten dem Investor wenig zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten - hier kann er sich damit begnügen, mit Mezzaninekapital an der künftigen Wertsteigerung des Unternehmens teilzunehmen. Mittelstandsorientierte Private-Equity-Gesellschaften bieten dazu stille Teilhaberschaften, Nachrangdarlehen und Genussscheine mit individuell auf das Unternehmen angepassten Konditionen. Solches eigenkapital-ähnliches Mezzaninekapital kostet Zinsen, verbessert aber das Rating. Bestehende und künftige Kredite können damit günstiger werden. Zudem ist eine Besicherung in der Regel nicht erforderlich.
Bei einem Unternehmen mit geringem Cashflow wird sich der Investor dagegen für eine Minderheitsbeteiligung interessieren. So kann er gemeinsam mit dem Management das Potenzial des Unternehmens entwickeln. Voraussetzung dafür ist allerdings ein Geschäftsmodell, das gute bis hervorragenden Aussichten auf Wertsteigerung bietet.
So hat sich DZ Equity Partner kürzlich an der Goldeck Süßwaren GmbH aus Leipzig direkt beteiligt. Über seine Dachmarke "Zetti" und zahlreiche, seit vielen Jahren sehr erfolgreiche Produkte wie die "Knusperflocken" verfügt der Hersteller von Schokoladenprodukten vor allem in den neuen Bundesländern über einen sehr hohen Bekanntheitsgrad. Gemeinsam mit den bestehenden Gesellschaftern soll das weitere Unternehmenswachstum des Schokoladenspezialisten mit Investitionen in die Produktionskapazität und der weiteren Modernisierung des Produktionsstandortes in Sachsen-Anhalt in den nächsten Jahren beschleunigt werden. Als neuer Minderheitsgesellschafter wird der Investor dieses Vorhaben mit Kapital, Management-Unterstützung und Kontakten aus dem Netzwerk begleiten.
Der Hamburger Spezialist für Schiffsantriebe, Becker Marine Systems, entschied sich dagegen für die Aufnahme von Mezzanine-Kapital. Der bisherige Haupteigner der Firma, ein benachbartes Unternehmen, wollte sich von seinen Anteilen trennen. Als stiller Gesellschafter finanziert DZ Equity Partner die Übernahme der Anteile über einen Genussschein. Die gewählte flexible Struktur verschafft dem Management des Weltmarktführers ausreichend Eigenkapital - nach dessen Aussage "genug Wasser unter dem Kiel", um in dem wettbewerbsintensiven maritimen Umfeld weiterhin Wachstumschancen zu nutzen.
Autor: Olivier Weddrien / Martin Franke, DZ Equity Partner