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Startseite Info-Center Fachartikel & Checklisten Unternehmensfinanzierung Mehr als 50 Rohstoffe lassen sich absichern

Mehr als 50 Rohstoffe lassen sich absichern

Creditreform Magazin, 04.04.2011


Stefan Hoenen, Experte für Rohstoffpreisabsicherung bei der Deutschen Bank, gibt Tipps für mittelständische Firmenkunden.

Herr Hoenen, die Preise von Rohstoffen, insbesondere im Energiesektor, schlagen immer stärkere Kapriolen. Wie können Mittelständler sich schützen?

In jüngster Zeit haben außergewöhnliche Ereignisse zu größeren Ausschlägen bei den Rohstoffpreisen geführt – so etwas lässt sich natürlich nicht voraussehen. Dies zeigt aber auch, wie schnell für Unternehmen, die von Rohstoffpreisen abhängig sind, eine bedrohliche Situation entstehen kann. Eine adäquate Absicherung gegen solche Preisschocks ist gerade auch für Mittelständler unabdingbar, da sie Preisschwankungen nicht oder nur sehr schwer innerhalb kurzer Zeit an den Kunden überwälzen können. Denn auch Kunden fordern stabile Preise …

Wie aber kann sich ein Unternehmen gegen diese Risiken absichern?

Zunächst muss es sich bewusst werden, welche Risiken es gibt. Häufig bestehen sie nicht nur im Einkauf, sondern auch im Vertrieb und womöglich in der Finanzabteilung, denn Rohstoffe werden üblicherweise in Fremdwährungen gehandelt. Ist der Umfang der Risiken erst einmal klar, sehen die Unternehmen schnell ein, dass ein Management von Risiken "nach Gefühl" einer modernen Unternehmensplanung nicht mehr gerecht wird.

Das schreit nach einem ganzheitlichen Ansatz?

Exakt, denn im Unternehmen muss Transparenz über die Risiken herrschen. Das gilt gerade auch für Mittelständler. Um dies zu erreichen, müssen Einkauf, Finanzabteilung, Geschäftsleitung und Vertrieb zusammenarbeiten. Natürlich kann auf den einzelnen Ebenen viel getan werden, etwa durch Festpreisvereinbarungen im Einkauf oder Preisgleitklauseln im Vertrieb. Die Erfahrung zeigt aber, dass solche Strategien beim heutigen Wettbewerb nicht mehr ausreichen. Hier bieten Banken Möglichkeiten zur Preissicherung über einfache und lange bewährte Finanzprodukte …

Aber ist dies nicht nur etwas für sehr große Unternehmen?

Keineswegs. Bereits kleinere Losgrößen ab einem Einkaufsvolumen von rund 500.000 Euro jährlich je Rohstoff lassen sich absichern. Das ist also auch etwas für den Mittelstand. Und: Wir sichern inzwischen die Preise von mehr als 50 Rohstoffen ab, Tendenz steigend.

Wie sieht eine solche Absicherung denn aus?

Grundsätzlich ist der Werkzeugkasten mit Instrumenten prall gefüllt. Die Absicherungsstrategien müssen jedoch exakt zum Unternehmen passen. Als einfachste Variante gelten nach wie vor Termingeschäfte, mit denen Preise festgeschrieben werden. Ihr Nachteil: Sie schalten nicht nur die Risiken aus, sondern auch die Chancen einer positiven Entwicklung. Im Gegensatz dazu eliminieren flexiblere Sicherungsinstrumente nur die Risiken, aber nicht die Chancen. Hier kann sich der Kunde entscheiden, ob er bei jederzeit gegebener Kalkulationssicherheit eine eingebaute optionale Komponente tatsächlich ausüben will. Zahlreiche Unternehmen sichern sich so etwa gegen volatile und im Trend steigende Dieselpreise ab.

Call-Optionen kommen nicht in Frage?

Doch – vor allem dann, wenn sich Unternehmen bei sinkenden Einkaufspreisen mit Preisnachlass-Forderungen ihrer Kunden konfrontiert sehen. So erreichen sie nicht nur einen Schutz vor höheren Preisen, sondern profitieren auch von fallenden Einkaufspreisen.

Ist man da nicht nahe an der Spekulation?

Überhaupt nicht. Es geht nicht darum, etwa an den Preisschwankungen zu verdienen. Vielmehr werden so Kalkulationssicherheit und Stabilität erreicht. Firmen, die ihre Risiken kennen und absichern, laufen auch in stürmischen Zeiten nicht so schnell auf Grund.

Man sichert also mehr ab als nur Preisschwankungen?

Absicherungen reduzieren die Schwankungen von Aufwendungen und Erträgen. Damit wird das Unternehmen auch für Fremd- und Eigenkapitalgeber attraktiver. Wenn Sie so wollen, trägt die aktive Steuerung von Risiken somit langfristig zu einer Steigerung des Unternehmenswertes bei.

Autor: Die Fragen stellte Ingo Schenk



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