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Nachhaltige Gewinne


Creditreform Magazin, 04.10.2010


Nachhaltige Geldanlagen werden immer beliebter. Dafür nehmen Anleger sogar Abstriche bei der Rendite in Kauf. Doch das muss gar nicht sein – vorausgesetzt, man setzt auf das richtige Anlagevehikel. Welche nachhaltigen Fonds, Zertifikate und ETFs aussichtsreich sind.

Glaubt man diversen Umfrageergebnissen, hat bei Anlegern die Vernunft über die Gier gesiegt: Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hat im Auftrag der Fondsgesellschaft Union Investment ermittelt, dass 63 Prozent der insgesamt 500 befragten Finanzentscheider in privaten Haushalten zugunsten der Nachhaltigkeit einer Geldanlage zu einem Renditeverzicht bereit wären. Grundsätzlich finden 32 Prozent der Befragten nachhaltige Geldanlagen attraktiv. In der Gruppe der 20- bis 29-Jährigen beträgt der Anteil sogar 45 Prozent. „Der hohe Stellenwert gerade bei jungen Anlegern unterstreicht, dass das Thema bei der Geldanlage weiter an Bedeutung gewinnen wird“, findet Daniel Günnewig, Leiter Produktmanagement bei Union Investment.

Das breiteste Angebot unter den nachhaltigen Geldanlagen ist im Bereich der Investmentfonds zu finden. Laut Branchendienst ECOreporter.de, der den Markt der nachhaltigen Geldanlagen seit 1997 untersucht, betrug das Gesamtvolumen dieser Fonds in Deutschland, Österreich und der Schweiz Ende 2009 knapp 35 Milliarden Euro. Ein Jahr zuvor hatte das Volumen nur bei 21,5 Milliarden Euro gelegen. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Fonds aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Ethik und Erneuerbare Energien um 52 auf 331. „Als ECOreporter.de 1997 diese Daten erstmals ermittelte, gab es nur zwölf nachhaltige Fonds mit insgesamt 220 Millionen Euro Volumen“, so die Experten.

Investmentcheck - Nachhaltige" Zertifikate, ETF, Fonds

Name/Basiswert

WKN

Beschreibung

Sarasin Sustainable Equity - Europe 973500 Nachhaltigkeits-Fonds, der europaweit investiert
MEAG Nachhaltigkeit 161999 Nachhaltigkeits-Fonds, der weltweit investiert
Daxglobal Sarasin Sustainability Germany DR1WDQ Zertifikat auf Index mit 44 Aktien von nachhaltig wirtschaftenden deutschen Konzernen
Sustainability All Stars CB4MWR Zertifikat auf Index, der aus 5 verschiedenen Nachhaltigkeits-Fonds besteht
iShares Euro Stoxx Sustainabillity 40 A0F5UG ETF auf Index mit 40 Aktien von nachhaltig wirtschaftenden europäischen Konzernen

Quelle: Eigene Recherche

Überrendite möglich

Die Untersuchung von ECOreporter.de zeigt auch, dass der Fokus auf nachhaltige Anlagen nicht automatisch zu Lasten der Rendite gehen muss. Im Gegenteil: „Im Schnitt legten die nachhaltigen Aktienfonds um 28 Prozent zu. Zum Vergleich: Der Welt-Aktienindex MSCI World erzielte 2009 ein Plus von 25,9 Prozent“, heißt es in der Analyse. Dabei driftete die Performance der Aktienfonds weit auseinander: Sie lag zwischen plus 125 Prozent und minus 10 Prozent. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die Produkte sehr stark unterscheiden. Es zählen breit aufgestellte internationale Fonds, aber auch spezialisierte Fonds mit regionalem Fokus sowie Technologie- und Themenfonds dazu.

Bei vielen Nachhaltigkeitsfonds stehen Ökoinvestments im Vordergrund. Doch grundsätzlich ist das Thema viel breiter angelegt. Demnach sollten bei der nachhaltigen Geldanlage neben ökologischen auch gesellschaftliche und soziale Faktoren berücksichtigt werden. Gemäß der Theorie sind Unternehmen, die diese Kriterien erfüllen, langfristig erfolgreicher, erzielen also höhere Umsätze und Gewinne als der Durchschnitt. Folgerichtig müssten sich auch die Aktienkurse dieser Konzerne besser entwickeln als der Gesamtmarkt.

Ein Fonds, der der breiteren Definition von Nachhaltigkeit folgt, ist der „Sarasin Sustainable Equity – Europe“ von der Bank Sarasin & Cie. Das Schweizer Geldinstitut beschäftigt sich bereits seit 1989 mit dem Thema Nachhaltigkeit („Sustainability“) und gilt als einer der Pioniere auf diesem Gebiet. Der Fonds investiert in Aktien von Firmen, „die einen Beitrag zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise leisten“, so Sarasin. Diese Konzerne zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein umweltgerechtes, öko-effizientes Management und die proaktive Gestaltung der Beziehungen zu Mitarbeitern, Kunden, Geldgebern und Aktionären zu einem wichtigen Bestandteil ihrer Strategie machen. Fondsmanager Matthias Priebs investiert in die jeweiligen europäischen Branchenführer, welche das Konzept der nachhaltigen Entwicklung als strategische Chance nutzen. Die Bank HSBC Holdings, der Nahrungsmittelkonzern Nestlé und die Versicherung Aviva sind aktuell die größten Positionen im Portfolio. Aus Nachhaltigkeitsperspektive kritische Branchen wie Rüstung und Glücksspiel schließt Priebs von vorneherein aus. 2009 gelang dem Fonds ein Plus von 31,9 Prozent, womit er seine Benchmark, den MSCI Europe, knapp hinter sich gelassen hat. Die Verwaltungsgebühr beträgt 1,75 Prozent pro Jahr.

Einen internationalen Ansatz verfolgt der Fonds „Meag Nachhaltigkeit“ von der Meag Munich Ergo Kapitalanlagegesellschaft. Die Fondsmanager wählen aus den Werten des Dow Jones Sustainability World Index (DJSWI) ex All – hier sind die Branchen Alkohol, Tabak, Glücksspiel, Rüstung und Waffen ausgeschlossen – die Unternehmen mit den aussichtsreichsten Wertentwicklungsperspektiven aus. Beigemischt werden innovative Nischenanbieter, die von der Meag in Zusammenarbeit mit der Muttergesellschaft Münchener Rück anhand einer Nachhaltigkeits- und Finanzanalyse selektiert werden. Die Branchen mit den stärksten Gewichtungen sind derzeit Finanzen (22,3 Prozent), Energie (19,7 Prozent) und Pharma/Chemie (15,7 Prozent).

Zertifikate und ETFs

Auch die Zertifikate-Anbieter haben sich inzwischen dem Thema Nachhaltigkeit gewidmet. Wie im Fondsbereich haben die Produkte auch hier meist einen rein ökologischen Bezug. Vereinzelt gibt es aber Produkte, die dem ganzheitlichen Ansatz folgen. Ein Beispiel ist das Zertifikat auf den Daxglobal Sarasin Sustainability Germany-Index. Wie der Name schon andeutet, ist auch hier der Schweizer Pionier, die Bank Sarasin, wieder mit von der Partie: Der Index bildet ausschließlich Aktien von Gesellschaften ab, die das Kriterium der Nachhaltigkeit gemäß der „Sarasin Sustainable Matrix“ erfüllen. Hierzu werden die 100 größten deutschen Dividendentitel in einem zweistufigen Verfahren beurteilt. Zunächst geht es in einem Branchenrating darum, ob bei der Herstellung der Produkte nachhaltig gewirtschaftet wird. Das Unternehmensrating beurteilt anschließend die ökologischen und sozialen Leistungen der Konzerne. Aktuell enthält der Index 44 Aktien. Die Überprüfung der Zusammensetzung findet einmal pro Jahr statt. Während das Nachhaltigkeitskonzept seit der Einführung im Herbst 2007 deutlich vom Dax geschlagen wurde, zeichnet sich seit rund einem Jahr eine rasante Aufholjagd ab. Das zeigt, dass Anleger nachhaltige Investments eher als Langfristinvestment sehen sollten.

Einen völlig anderen Ansatz verfolgt das Sustainability All Stars-Zertifikat. Es investiert in fünf verschiedene Aktienfonds, die das Fondsvermögen in ethische und nachhaltig agierende Unternehmen aus dem Bereich Ökologie und Umwelt anlegen. Die Selektion erfolgt nach strikt quantitativen Kriterien. Zunächst müssen die Fonds von der Ratingagentur Standard & Poor’s in der Kategorie „Equity Ethical/Social Responsible Investment“ mit mindestens drei Sternen versehen sein und ein Volumen von mindestens 30 Millionen Euro aufweisen. Anschließend werden hieraus die fünf Fonds selektiert, welche auf Sicht von einem und drei Jahren die beste Performance erzielt haben. Mit dieser Methode hat das Sustainability All Stars-Zertifikat die Benchmark MSCI World seit der Auflage im Februar 2007 um etwa fünf Prozentpunkte hinter sich gelassen.

Noch wenig verbreitet ist das Thema Nachhaltigkeit bei den immer beliebter werdenden börsengehandelten passiven Indexfonds, den so genannten Exchange Traded Funds (ETFs). „2009 waren in zehn nachhaltigen ETFs insgesamt circa 550 Millionen Euro investiert“, so ECOreporter.de. Die meisten am Markt erhältlichen Produkte sind ausschließlich ökologisch ausgerichtet. Eine Ausnahme ist der iShares Euro Stoxx Sustainability 40. Der ETF basiert auf dem gleichnamigen Index, der die 40 größten europäischen Aktien aus dem breiten Stoxx 600-Index abbildet, die besonders nachhaltig wirtschaften. Bei der Titelauswahl spielen Kriterien wie eine strategische Planung von langfristigen Geschäftsstrategien hinsichtlich Ökologie, sozialer Verantwortung und ökonomischen Zielen eine Rolle. Außerdem wird darauf geachtet, ob ein Unternehmen etwa Produktinnovationen entwickelt, die auf ressourcenschonenden Technologien basieren. In der Rückschau hat sich der Euro Stoxx Sustainability 40 in etwa genauso gut geschlagen wie der Stoxx 600. Nachhaltiges Investieren scheint also auch im Bereich der passiv gemanagten Indexfonds nicht unbedingt einen Renditenachteil mit sich zubringen.

Autor: Christian Scheid



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