Volker Ulbricht, Geschäftsführer des Verbandes der Vereine Creditreform e. V., berichtet im folgenden Interview über
die Kerndienstleistung Inkasso. Das Interview ist in der Zeitschrift „dnv – der neue vertrieb“
erschienen.
Im Forderungsmanagement für Verlage und WBZ-Unternehmen treten als Außenstände in der Regel bis zu dreistellige
Beträge auf. Welches Vorgehen ziehen diese Forderungsbeträge für Sie als Inkasso-Unternehmen nach sich? In welcher Höhe
bewegen sich durchschnittlich die Forderungen anderer Gläubigerbranchen, für die Sie tätig werden? Wie wirkt sich die
Forderungshöhe auf die Motivation Ihrer Mitarbeiter aus?
Über alle Branchen hinweg liegt der Durchschnitt der Forderungen, die Creditreform bearbeitet, bei circa 250 Euro
pro Forderung. Bei Telefongesellschaften, für die wir im Jahr 2 Millionen Forderungen bearbeiten, sprechen wir von
Forderungshöhen in der Größenordnung von 40 Euro. Wir kennen uns im Bereich der kleinteiligen Forderungen also
bestens aus. Bevor Creditreform kleinteilige Forderungen bearbeitet, wird jeder einzelne Fall kritisch betrachtet, um
die Realisierungs-Wahrscheinlichkeit zu ermitteln. Durch dieses Inkasso-Scoring soll verhindert werden, dass Zeit und
Geld in Fälle investiert wird, bei denen von Anfang an feststeht, dass der Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen
doch nicht nachkommen wird.
Creditreform nutzt für das Inkasso-Scoring die ständig wachsende Creditreform Datenbank, die aktuell knapp 56
Millionen personenbezogene Informationen umfasst. Diese zentrale Datenbank ist ein gutes Beispiel für den
technologischen Standard und die positive Wechselwirkung von sich gegenseitig ergänzenden Dienstleistungen der
Unternehmensgruppe Creditreform. Ebenso wichtig ist die dezentrale Struktur des Unternehmens mit seinen bundesweit 130
Geschäftsstellen, die regional verwurzelt sind und beste Kontakte zur lokalen Wirtschaft unterhalten. Die
Motivation unserer Mitarbeiter ist nicht von der Höhe der Forderung abhängig. Bei jedem Einzelfall geht es immer wieder
aufs Neue darum, das im konkreten Fall für alle Beteiligten optimale Ergebnis zu realisieren
Welche – aktuellen – Argumente verwendet Ihr Unternehmen, um Schuldner zur Zahlung ausstehender
Forderungen zu motivieren? Welchen Einfluss hat die steigende Zahl der Privatinsolvenzen auf Ihr
Tagesgeschäft?
Jeder Schuldner, bei dem Creditreform im Inkasso tätig wird, wird darüber informiert, dass unsere Erfahrungen mit
ihm als Schuldner unabhängig von der Höhe der Forderung als personenbezogene Zahlungserfahrung in unsere Datenbank
einfließen. Diese personenbezogenen Informationen können von Unternehmen angefordert werden, die sich über das
Zahlungsverhalten eines Kunden informieren möchten, bevor eine neue Geschäftsverbindung zustande kommt. Liegt in der
Datenbank ein Negativ-Eintrag vor, kann es daher passieren, dass der Kunde deswegen beispielsweise keinen Bankkredit
bekommt oder kein Fahrzeug leasen kann. Es liegt also absolut im Interesse des Schuldners, zusammen mit Creditreform
eine konstruktive Lösung zu finden.
Die steigende Zahl der Privatinsolvenzen hat keinen direkten Einfluss auf unser Tagesgeschäft. Die aktuellen Zahlen
aus der Creditreform Wirtschafts- und Konjunkturforschung zeigen, dass es 2005 in Deutschland ca. 98.400
Privatinsolvenzen gab. In 2004 waren es 78.990 Fälle. Dabei handelt es sich aber leider nur um die Spitze des
Eisberges, denn mehr als drei Millionen Haushalte in Deutschland gelten als überschuldet.
Kontinuität oder frischer Elan, Branchenkenntnisse oder dynamische Quereinsteiger: Auf welche Fertigkeiten und
beruflichen Hintergründe achten Sie, um bei einer Neueinstellung die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, einen passenden
Mitarbeiter fürs Inkassogeschäft zu finden? Wie viele Neueinstellungen haben Sie 2005 vorgenommen, wie viele waren es
im Vorjahr?
Creditreform steht für effektives und hochseriöses Inkasso. Daher achten wir bei Neueinstellungen sehr darauf, dass
die Kandidaten in der Lage sind, dieses Selbstverständnis nach außen zu vermitteln. Dabei sind Branchenkenntnisse
sicherlich nicht schädlich – allein entscheidend sind sie aber nicht. Da inzwischen gerade das Telefoninkasso
immer wichtiger wird, achten wir auch darauf, dass unsere Mitarbeiter kommunikative Fähigkeiten besitzen und ein
Feingefühl für die Befindlichkeiten der Gesprächspartner entwickeln. Das sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass ein
konstruktives Telefongespräch in Gang kommt und im Dialog eine Lösung gefunden wird, die für Gläubiger und Schuldner
tragbar ist. In den Jahren 2004 und 2005 wurden bundesweit jeweils circa 150 neue Mitarbeiter eingestellt.
Wie bilanzieren Sie das Geschäftsjahr 2005 für Ihr Unternehmen? Welche Schwerpunkte setzen Sie im neuen Jahr,
welche Ziele wollen Sie mit welchen Mitteln 2006 erreichen?
2005 war für Creditreform ein gutes Jahr. Wir konnten den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 6,4 Prozent auf 446
Millionen Euro steigern und hoffen, dass die Entwicklung so auch weiter geht. In 2006 wollen wir für unsere Kunden die
Netto-Realisierung, also das, was nach Abzug aller Kosten unter dem Strich an Inkasso-Ertrag übrig bleibt, weiter
erhöhen. Dabei wird vor allem das eingangs bereits erwähnte Inkasso-Scoring auf der Grundlage der Informationen aus der
Creditreform Datenbank sehr hilfreich sein.
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Volker Ulbricht ist Geschäftsführer des Verbandes der Vereine Creditreform e. V.