Aufschwung geht zu Ende - Wirtschaftsindikator mit drittem Rückgang in Folge
Neuss, 16.11.2011
Die Schuldenkrise in Europa hat sich zu einem erheblichen Unsicherheitsfaktor entwickelt und die Erwartungen der deutschen Wirtschaft deutlich negativ beeinflusst. Im laufenden Jahr wird die Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik noch einmal spürbar wachsen, allerdings geht der Aufschwung seinem Ende entgegen. Das signalisiert der Creditreform Wirtschaftsindikator, der sich saisonbereinigt auf +11,7 Punkte ermäßigt (Vorquartal: +12,0). Konjunkturelle Impulse kommen derzeit aus dem Binnenmarkt, während sich
der Exportboom merklich abschwächt.
Konjukturabschwung unvermeidlich, aber kein Grund zum Pessimismus
Die Geschäftserwartungen der deutschen Unternehmen haben sich in den letzten Monaten merklich verschlechtert. Nach dem exportgetriebenen Aufholboom der letzten zwei Jahre schlägt die Konjunktur deutlich ruhigere Bahnen ein. Europa steht vor einem Stagnationsjahr. Das dürfte die Exportchancen für die heimischen Unternehmen deutlich schmälern. Die Geschäftserwartungen lassen aber keinen Konjunkturpessimismus zu. Der entsprechende Indikator liegt mit +28,7 Punkten im Bereich des Vorjahreswertes und zeigt weiter
mehrheitlich optimistische Unternehmen.
Ein baldiger Konjunkturabsturz dürfte daher ausbleiben. Immerhin gibt es positive Signale wie die weiterhin aufwärtsgerichteten Beschäftigungs- und Investitionsplanungen der Unternehmen. Der Anteil der Unternehmen, die ein Investitionsvorhaben planen, liegt mit 49 Prozent über dem langjährigen Mittelwert.
Zudem hat der Aufschwung die Unternehmen gestärkt und widerstandsfähiger gemacht gegen die kommende Konjunkturabschwächung. Nochmals verringert hat sich das Insolvenzrisiko, das mittels des Creditreform Risikoindikators (CRI) gemessen wird. Derzeit kommen auf 10.000 wirtschaftsaktive Unternehmen 217 Firmen, die zumindest ein Negativmerkmal aufweisen, etwa erhebliche Zahlungsverzögerungen oder einen Insolvenzantrag (Vorquartal: 221). Einbußen gab es allerdings beim Zahlungsverhalten. In den zurückliegenden
Monaten erhöhte sich der durchschnittliche Zahlungsverzug auf 13,04 Tage (Vorquartal: 12,62 Tage). Der mittlere Bonitätsindex blieb bei 263 Punkten.
Industrie schon im Abschwung - Dienstleistungen sind Stütze der Konjunktur
Die Branchenentwicklung zeigt teilweise erhebliche Eintrübungen in den Sektoren des Verarbeitenden Gewerbes. Insbesondere Chemiebranche und Metall- und Elektroindustrie müssen Einschnitte hinnehmen, während in den konsumnahen Bereichen des Dienstleistungssektors, aber auch im Einzelhandel, noch einmal leichte Verbesserungen festzustellen sind. Das konjunkturabhängige Transport- und Logistikgewerbe behält nach einer Tempodrosselung die rote Laterne. Die aktuelle Wirtschaftslage in den zehn Hauptbranchen macht
deutlich, dass die Wachstumsimpulse nicht ausreichen werden, um den Aufschwung über den Jahreswechsel 2011/2012 hinaus fortzuschreiben.
Methodik
Zur Einschätzung der konjunkturellen Gesamtsituation berücksichtigt der Creditreform Wirtschaftsindikator Finanzinformationen sowie Daten zur Unternehmensstabilität aus der Wirtschaftsdatenbank von Creditreform und verknüpft diese mit empirischen Befunden aus regelmäßigen Unternehmensbefragungen. Indikatorwerte über Null zeigen ein wirtschaftliches Wachstum, negative Werte entsprechen einer Stagnations- bzw. Rezessionsphase. Die vier Einzelkomponenten Geschäftsklima, Zahlungsverhalten, Bonität und Insolvenzanfälligkeit
werden zu einem Index verdichtet.
Der vollständige Quartalsbericht kann unter "Downloads" kostenlos als pdf heruntergeladen werden. Die nächste Ausgabe erscheint Februar 2012.